Die Anlage des größten Friedhofs von Ústí nad Labem ist in zwei Bereiche getrennt, zum einen in die gepflegten Gräberfelder der
tschechischen Bevölkerung und zum anderen in die Gruftanlagen der ehemaligen deutschen Bevölkerung. Diese Teilung wird an der
Westwand des Friedhofs Střekov besonders deutlich. An der gesamten Westwand der alten Friedhofsanlage wurden im 19. Jahrhundert
Grüfte angelegt, die während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts größtenteils an die deutsche Bevölkerung verkauft bzw.
verpachtet wurden. Im Zuge der politischen Ereignisse - das Münchner Abkommen 1938 mit der Eingliederung der sudetendeutschen Gebiete,
die Okkupation Böhmes durch die deutsche Wehrmacht 1939 und der Zweite Weltkrieg - wurde nach 1945 die deutsche Bevölkerung vertrieben.
Für den Friedhof Střekov hatte das zur Konsequenz, dass nahezu alle deutschen Gräber seit 1945 nicht von ihren Eigentümern gepflegt und
instand gehalten worden sind. Seitens der Friedhofsverwaltung wurden die Anlagen provisorisch gepflegt. Bis heute bleibt die Frage offen,
wie weiter mit den Grabanlagen verfahren wird. Susan Donath hat an der Westwand des Friedhofs Střekov eine Grabanlage instand gesetzt,
d.h. die Grabplatte aufgearbeitet (gereinigt, vergoldet) und die Anlage neu bepflanzt und wird sie dauerhaft pflegen. Bei der Anlage
handelt es sich um eines der wenigen tschechisch-deutschen Gräber aus der Zeit vor den politischen Ereignissen, in deren Konsequenz
die beiden Bevölkerungsgruppen von Ústí nad Labem voneinander getrennt wurden.





